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Dan Brown, Leonardo und kein Ende

vasari_cercatrova_particolareIn den letzten Jahren haben Untersuchungen, Nachforschungen und Spekulationen um die möglichen Reste der ‘Anghiari-Schlacht’ von Leonardo da Vinci für viel Wirbel in den Medien gesorgt. Die damit in Verbindung gebrachten kryptischen Worte „Cerca e trova /Suche und finde“ verfolgen gar zu Beginn des Erfolgs-Romans ‚Inferno’ den Kunsthistoriker Richard Langdon, Protagonisten der Erfolgsbücher von Dan Brown, bedeutungsschwer bis in seine Alpträume !
Worum geht es?
Leonardo war im Jahr 1502 mit der Ausführung eines großen Gemäldes im damaligen Sitzungssaal des Florentiner Stadtparlamentes, dem ‘Salone dei Cinquecento’ beauftragt worden. Es sollte an die von den Florentiner Truppen siegreich bestrittene Schlacht von Anghiari erinnern. Wenig später erging an Michelangelo der Auftrag, an der gegenüberliegenden Wand einen weiteren Florentiner Sieg zu verewigen: die Schlacht von Cascina.
Während Michelangelos Arbeiten nie über die vorbereitenden Kartons hinauskamen, begann Leonardo mit seiner Arbeit an der ihm zugewiesenen Wand. Verschiedene Faktoren – nicht zuletzt die technische Experimentierfreudigkeit des Künstlers – liessen die Ausführung nur schleppend vorangehen und führten in letzter Instanz zum Abbruch der Arbeiten. Darüber hinaus, erlebte das von Leonardo Realisierte in den folgenden Jahren einen raschen Verfall.
Mit der vollkommenen Umgestaltung und Neudekoration des Raumes, der in den 60er des 16. Jahrhunderts von Giorgio Vasari in Angriff genommen wurde, verschwand das noch Erhaltene endgültig oder – und da liegt der springende Punkt – verschwand nur hinter den neuen Dekorationen Vasaris.

Forschergeist zwischen Dan Brown und Leonardo da Vinci

Verschiedentlich vorgebrachten Mutmassungen folgend, sollen in der Tat hinter einem der großen Wandgemälde von Giorgio Vasari die Reste der Leonardo-Schlacht über die Jahrhunderte gekommen sein. Und als Anregung, danach zu suchen, werden eben jene Worte verstanden, die Richard Langdon in seinen Schreckensvisionen umtreiben: Suche und finde.
Der Ingenieur Maurizio Seracini, überzeugtester Verfechter dieser Idee, die zu beweisen ihm fast zu einer Lebensaufgabe geworden ist, fielen die Worte ‚Cerca Trova’ erstmals in den 70er Jahren in eben dem Vasari-Fresko auf, das nach seinen Forschungen die Stelle des Leonardo-Werkes okkupiert und er betrachtete sie als von Vasari ausgeworfenen Köder, sich auf die Suche nach dem verlorenen Leonardo zu begeben.
Diese kunsthistorische Schnitzeljagd hat sicherlich ihren Reiz, doch lassen sich entschieden näherliegende Gründe für das ‚Cerca Tova’ finden, woran Federico Giannini in einem Artikel in ‚Finestre sull’Arte‘ erinnert hat.
Das nunmehr berühmte ‚Cerca Trova’ findet sich in einer der Darstellungen, die Vasari dem vom Medici-Herzog Cosimo I. siegreich gegen Siena geführten Krieg gewidmet hat. Es geht um die Schlacht von Marciano, die das Ende der Republik Siena besiegelte und auch einen entscheidenden Schlag gegen die Medici-Opposition in Florenz darstellte. Die in Frage stehenden Worte finden sich weit im Hintergrund auf einer grünen Standarte, die den florentinischen Rebellen zugeordnet ist, die an der Seite der Sienesen unter der Leitung von Piero Strozzi an der Schlacht teilnahmen.

Die Schlacht von Marciano

Die Schlacht wird detailreich von dem Florentiner Historiker Bernardo Segni (1504-1558) beschrieben, der unter anderem auch einige besondere Fahnen erwähnt die von den Gegnern der mediceisch-florentinischen Armee mitgeführt wurden: „diesen hatte der französische König Heinrich, um sie in diesem Kampf anzuspornen, zwanzig Fahnen geschenkt, die grüner Farbe waren und auf denen, den Versen Dantes folgend, der Name der Freiheit geschrieben war: Die Freiheit such’ich, die mir so lieb ist“.
Grüne Flaggen also, mit einem Motto, dem nicht unähnlich, das auf Vasaris Fresko erscheint. Daneben gab es aber auch weitere – ebenfalls grüne – Flaggen, die andere Motti aufwiesen, die sich jedoch alle auf die Freiheit der Florentiner Republik (als Freiheit von den Medici) bezogen, wie die Schrift LIBERTAS oder das Kürzel SPQF – Senatus populusque Florentinus (Florentiner Senat und Volk).

Sarkasmus der Sieger ?

Warum aber sollte sich Vasari entschieden haben ‚Cerca Trova’ statt des dantesken Verses auf den Flaggen der Rebellen festzuhalten oder statt der schon praktisch portionierten Devisen LIBERTAS und SPQF? – die Lesbarkeit sichernde Verkürzung allein kann es nicht gewesen sein. Für den Kunsthistoriker Lionello Boccia, der schon vor Saracino die ominösen Worte bemerkt hatte, geht es um den Sarkasmus des Siegers. Boccia kommt in einem 1969 erschienen und dem Vasari-Mitarbeiter Jan van Straten gewidmeten Aufsatz nicht nur auf Vasaris Schlacht von Marciano zu sprechen, sondern auch auf die Flaggen der antimediceischen Gruppierung: „Diese Flaggen erscheinen auch in dem großen Fresko Vasaris, wo allerdings statt des LIBERTAS S.P.Q.F., die man auf ihnen hätte lesen müssen, mit beißender Ironie, ein ‚chi cerca trova’ zu entziffern ist: eine Anspielung auf die fehlgeleitete Suche der Rebellen nach Freiheit, waren sie doch Instrument fremder Mächte geworden, die ihre gerechte Bestrafung finden würden.“ In der Schlacht gefangengesetzt, wartete das Henkersschwert oder der Galgen auf sie.
Jedem das Seine. (M.F)


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