Florenz und der Film

Die erste Florentiner Projektion eines Filmes mit dem von den Bruedern Lumière entwickelten Cinematographen, fand 1897 im Rahmen einer Kunst-und-Blumen-Messe, der ‚Mostra dell’Arte e dei Fiori‘, im Palazzo Pitti statt.
Schon 1895, im selben Jahr, als die Brüder Lumière sich ihre berühmte Erfindung in Lyon patentieren liessen, hatte auch Filoteo Alberini, ein Mitarbeiter des Florentiner Liegenschaftsamtes, ein Gerät konstruiert, dass sowohl zur ‚Erfassung von Ansichten‘ wie auch zu ihrer Projektion geeignet war: den Kinotografen. Alberini war nur einige Monate zu spät gekommen, um Früchte aus seinem Patent ziehen zu können.
Florenz kann daneben auch eine Vorreiterrolle, was Kinosäle betrifft für sich beanspruchen: der erste italienische Kinosaal, das ‚Cinema Edison‘ in der Piazza della Repubblica öffnete am 10. Juni 1900 seine Türen. Seine 100 Sitzplätze verraten allerdings deutlich, dass Kino damals noch entfernt davon war, ein Massenphänomen zu sein.

Nach den vielversprechenden, avantgardistischen Erfahrungen blieben die Florentiner Initiativen zur Förderung des Kinos jedoch letztlich vorübergehend und von geringer Bedeutung: die ‚Cine Fides‘, die sich mit der Verteilung befasste, die ‚Ireos‘, eine bescheidene Produktionsfirma und zu guter Letzt die ‚Firenze Film‘, die herzlich wenig produzierte und sehr schnell zu einer Entwicklungs- und Druckwerkstätte wurde.

Die Gesellschaft ‚Visioni Italiane Storiche‘ und ihre Produktionsstätten in Rifredi

1920 gründete Giovanni Montalbano die Gesellschaft ‚Visioni Italiane Storiche‘ und realisierte in seinen Produktionsstätten in Rifredi ‚Dante in seinem Leben und seiner Zeit‘, ein anspruchsvolles Projekt, das im Hinblick auf die Dante-Feierlichkeiten 1921 entstand. Der Film weist Passagen auf, die von besonderem historischen Interesse sind, zumal sie Strassenzüge zeigen, die im 2. Weltkrieg zerstört worden sind. Berühmt eine Szene, in der, dem Drehbuch folgend, eine Person genau unter der Ponte Vecchio zu ertrinken hatte.
Von Domenico Gaido gedreht, kannte der Film eine bewegte Realisierungsgeschichte und fand zu allem Überfluss auch keinen Vertrieb, was schon bald zum Konkurs der Gesellschaft führte. Nach der kurzen und sicherlich nicht vielversprechenden Erfahrung der ‚VIS‘ wurden die Produktionsstätten in Rifredi für die Realisierung von ‚Romola‘ (1924), einem Drama in Renaissancemilieu, „vermietet“. Keine der Filmszenen wurde in der Stadt gedreht; das Florentiner Zentrum war vom Bühnenbildner mit grossem Aufwand im Studio aufgebaut worden. Die Hallen in Rifredi schlossen ihre Türen im Jahr 1930 für immer.

Historische Kinos und verschwundene Kinosäle

In der Nachfolge des Lichtspielhauses ‚Edison‘ entstanden viele Kinos in Florenz, darunter das ‚Supercinema‘ in der Via dei Cimatori – zu dessen Eröffnung Douglas Fairbanks und Mary Pickford nach Florenz reisten – das ‚Alhambra‘ an der Piazza Beccaria oder das populäre Kino ‚Universale‘ in San Frediano. Das aufwendigste und – unter dem Gesichtspunkt von Ausstattung und Architektur – bedeutsamste Beispiel bleibt sicherlich das ‚Cinema Teatro Savoia‘, das heutige ‚Odeon‘.
Unter den Beispielen von Kinoarchitektur mit modernistischen Elementen hat sich das Kino Teatro Puccini (1935-40) erhalten; entstanden als Freizeiteinrichtung, unmittelbar an die grosse, staatliche Tabakfabrik angeschlossen, weist der Turm mit seinen blauen Leuchtflächen, der sicherlich das auffälligste in der architektonischen Gestaltung ist, unverkennbare Ähnlichkeiten mit dem ‚Marathonturm‘ des Sportstadions ‚Artemio Franchi‘ auf. In der Nachkriegszeit trat Nello Baroni mit einigen Kinobauten hervor, dem ‚Capitol‘ (1954) und dem ‚Rex‘, die allerdings leider beide radikal verändert worden sind und anderweitig genutzt werden oder werden sollen. In jüngerer Zeit ist das ‚Cinema Teatro della Compagnia‘ von Adolfo Natalini hervorzuheben, dem die Umwandlung des ehemaligen Kinos ‚Modernissimo‘ (1921) in einen Theaterraum für das Tosakanische Regionaltheater zu verdanken ist.

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