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Die Medici – das Familienwappen (1)

Ein Familienwappen mit Vergangenheit

Überall in Florenz stößt man – keine Überraschung im engeren Sinne – auf das Wappen der Familie Medici: sechs Kugeln auf goldenem Grund, fünf der Kugeln rot, die obere blau mit drei goldenen Lilien. Das zumindest ist die Form, in der das Familienwappen am häufigsten zu sehen ist.

Und das ist auch die Form, in der es stets erscheint wenn Kronen oder Papsttiaren den Wappenschmuck bereichern. Es geht aber auch anders: die Wappenschilder zum Beispiel, die die Alte Sakristei von San Lorenzo als Mediceische Grabkappelle kennzeichnen, verwenden dazu immerhin acht – darüber hinaus flache – Rundformen, die sich alle in kräftigem Orange-Rot vom goldenen Grund abheben. In der Tat das Wappenbild hat, bevor es seine ‚kanonische Form’ angenommen hat, eine ganze Serie von Varianten und Veränderungen gekannt, die dazu einladen, einen Blick auf seine Geschichte zu werfen.

Cosimos Wappen

Eine Serie ausgesprochen schöner und teilweise farbig gefasster Versionen des älteren Familienwappens findet sich in den zahlreichen Kirchstiftungen Cosimos des Alten. In der Fiesolaner Badia, in San Marco, dem Kloster von Bosco dei Frati und in San Lorenzo zieren sie Wände, Gewölbe, Pfeiler und Türstürze: rote Rundformen auf goldenem Grund, die – sind sie bildhauerisch ausgeführt – kugelartig hervortreten können, linsenartig gewölbt oder gerade mal so flach wie eine Geldmünze. Und damit nicht genug, die Anzahl kann zwischen drei und – nimmt man auch die in Mediceischen Auftrag entstandenen Manuskripte hinzu – elf Scheiben variieren wie auch die geometrischen Formationen, nach denen sie sich gruppieren, flexibel sind: im Repertorium finden sich kreis-, mandelförmige, ovale oder Dreiecksformationen mit besetzter oder freier Mitte.

Eine Flexibilität, die nicht zuletzt vom Zusammenhang, d.h. der Form des Wappenschildes oder des sonstigen Bildträgers abzuhängen scheint. Zumindest sind alle Versuche die gängigsten Varianten etwa durch die Zuordnung zu einzelnen Familienmitgliedern zu erklären, gescheitert.

Selbstdarstellung zwischen Mythos, Legende und Botanik

Auch was die Herkunft des Wappenmotivs angeht gibt es die verschiedensten Traditionen und Erklärungsmodelle, die gerne darauf abzielen, das Motiv unmittelbar mit der Familie Medici in Verbindung zu bringen.

Letzteres ist eine Tendenz, die auf die Medici selber zurückgeht. Die Familie selber favorisierte in diesem Zusammenhang die mythologisch-legendenhaften Verbrämung: so sollen nach einer Version die Rundformen an den vom Vorfahren Averardo – angeblich einem Vasall Karls des Großen – siegreich bestandenen Kampf gegen den Giganten Mugello erinnern. Mit großem Geschick hatte Averardo bevor er seinem Gegner den Garaus machte, die wütenden Keulenhiebe des Riesen mit seinem Schild pariert und in der Folge die Einschläge – Zeichen des erbitterten Kampfes – zum Siegeszeichen erhoben und im Wappen seiner Nachkommen verewigt. Sehr geschätzt war auch eine Lesart, die eine Verbindung zum Herkules-Mythos herstellte. In dieser Variante waren in den roten Rundformen die von Herkules geraubten Äpfel der Hesperiden zu erkennen, jene Früchte also, die dem Mythos folgend die ewige Jugend sicherten.

Städtischer Stolz und feudale Größe

Die Verbindung zu Herkules, der in Florentiner Legenden auch die Rolle des Stadtgründers spielte und den Florenz in seinem Stadtsiegel führte, sowie der Aspekt von Dauer und Ewigkeit, den die Familie Medici in ihren Selbstdarstellungen sehr schätzte, mögen dieser auf den ersten Blick beliebig erscheinenden Verbindung ihren Erfolg gesichert haben, während in der abstrusen Giganten-Geschichte die Aufsteigerfamilie in fast rotziger Weise, ihre Heimatregion, heroische Vorzeiten und den – unbegründeten – Anspruch dem alten Feudaladel zu entstammen, zu einem an Widerstandskraft gemahnenden Märchen mixte.

Apothekerpillen im Familienwappen

Auf historisch etwas soliderem Terrain bewegen sich die Erklärungsversuche, die in jüngeren Forschungen lanciert worden sind. Angeregt durch die Bedeutung des Wortes medici, das im Italienischen Ärzte bedeutet, sind die Rundformen als heraldische Stilisierungen von Apothekerpillen gedeutet worden. Der Versuch über den Namen an die Herkunft des Wappenmotivs zu kommen ist dabei gar nicht mal so abwegig, wie er auf Anhieb erscheinen mag. Man bedenke nur die Verehrung der Medici für die Ärzteheiligen Cosmas und Damian, immerhin Schutzpatrone der Familie, die einer vergleichbaren Logik verpflichtet sind. Was allerdings in beiden Fällen fehlt sind Hinweise auf Familienmitglieder, die sich als Mediziner hervorgetan hätten.

… oder das liebe Geld ?

Wappen WechslerzunftDas Geldgeschäft hingegen hat die Familie nicht nur frühzeitig sondern auch dauerhaft beschäftigt. Und damit ist eine interessante Hypothese verbunden, die das Medici-Wappen aus dem Wappen der Florentiner Wechslerzunft (Zunft in der die Bankiers organisiert waren) herleiten möchte, das – bei Inversion der Farben – ein vergleichbares Motiv aufweist: ein mit kleinen, an Münzen gemahnenden, goldenen Rundformen übersätes rotes Bildfeld. Heraldiker weisen allerdings darauf hin, dass in den ausgesprochen seltenen Fällen, in denen in Italien Wappenmotive ziviler Organisationen in Familienwappen aufgenommen werden, dies ohne Farb-Wechsel geschieht.

Toskanische Wappen-Scheiben

Eine der ganz alten Florentiner Familien: die Foraboschi

Die nach Meinung der Spezialisten wahrscheinlichste Herkunft hat hingegen mit der Familie Medici unmittelbar gar nichts zu tun. Die Scheiben sind in der Tat auf toskanischen Familien-Wappen recht weit verbreitete Formen und werden als eines der ältesten Wappenmotive in der Region angesehen. Hier ist also eine der Grundregeln der Heraldik von besonderem Gewicht: nur die farbige Version erlaubt es ein älteres Medici-Wappen von dem Wappen der Lamberti, Federighi, Foraboschi, Mansi oder anderer, zum Großteil sehr alter toskanischer Familien zu unterscheiden. Wappen der Federighi auf Bischofs-Grabmal

Bei diesen Wappen wird davon ausgegangen, dass die Rundformen ihren Ursprung in Metallbeschlägen hatten, die zur Verstärkung der Schilder und Fixierung der Schild-Halterungen dienten und im Zusammenklang mit der Schildfarbe zu einem Motiv wurden, das die Sippe des Schildträgers identifizierte. Ein Hinweis in diese Richtung ist die bevorzugte Verwendung der Metallfarben (Gold/Silber) für die Scheiben in den Wappen der aus dem alten Feudaladel hervorgegangenen Familien, während Familien populärer Herkunft und späteren sozialen Aufstiegs, wie etwa die Medici das schon etablierte Wappenmotiv in noch nicht vergebenen Kombinationen verwendeten.

So weit – so gut. Aber die Kugeln im Familienwappen und vor allem die blaue mit den goldenen Lilien ?? Darum geht es im nächsten Beitrag.


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